AbKunstfälle | Aus den Augen. Auf den Schirm. | Kulturerbeanalyse

An den Abfall will man sich nicht erinnern: Aus den Augen, aus dem Sinn.
Der Abfall will erinnert werden: Aus den Augen. Auf den Schirm.

Die „Re-Präsentation“ des Abfalls im Sinne einer Wiedersichtbarmachung geschieht durch eine installierte Funkkamera, die das Wegwerfen des Abfalls in den Abfallbehälter und den still liegenden Müll im Abfallbehältnis auf einen Bildschirm im Ausstellungsraum über Funk überträgt. Die übertragenen Bilder haben dabei durch unvermeidliche Funkstörungen selbst den Charakter von „abgefallenen“, wertlosen Bildern oder verblassten und verzerrten Erinnerungen.

AbKunstfälle | Aus den Augen. Auf den Schirm. | Kulturerbeanalyse (Videostill), Copyright J.Georg Brandt

Auch am Abfall, dem Zurückgelassenen, dem als Ballast und als wertlos Befundenen lassen sich Rückschlüsse auf eine Kultur und soziale Kontexte (hier Kunstszene) ziehen und u.U. unentdeckte Facetten erkennen. Der Abfall ist in gewisser Weise ein Kulturerbe, das aus der Erinnerung verbannt wird. Oft kommt dieses Erbe erst dann in den Sinn, wenn es nicht mehr zu verheimlichen ist, eine Gefahr darstellt (Atommüll, giftige Zusammensetzungen auf Mülldeponien etc.) oder in Gefahr gerät („Blue Shield International“). Das Blau des Müllsackes spielt an die häufig in Blau gehaltenen Hinweisschilder bei Kulturgütern wie Denkmälern und das „Blue Shield International“ an.

Wahrscheinlich lässt dies einige Rückschlüsse auch auf kulturelle, ökonomische und symbolische Kapitale (Bourdieu) in diesem Ausstellungskontext zu, wenn man andere Mülleimerinhalte in anderen Kontexten dazu vergleicht (das soziale Kapital wird in einem Mülleimer wohl eher nicht sicht- bzw. analysierbar sein).

In diesem Sinne ist die Installation eine Probe und ein Angebot, die eigene Kultur durch den Abfall zu betrachten und sich diese in Erinnerung zu rufen.

AbKunstfälle | Aus den Augen. Auf den Schirm. | Kulturerbeanalyse
2022
Funkkamera, Bildschirm, Schild
Maße variabel

Kontextblatt als PDF

Einladungskarte zur Ausstellung „Erinnerung“ (PDF)